Yolande Polignac

Madame de Polignac

(08.09.1749 - 09.12.1793)

Mme de Polignac (1782, Elisabeth Vigée-Lebrun)



Yolande Martine Gabrielle de Polastron wurde am 08.09.1749 in Paris geboren - übrigens am selben Tag und Jahr wie die 
Princesse de Lamballe.
Die Familie zog nach ihrer Geburt ins Languedoc um.
Nach dem Tod der Mutter im Jahre 1756 wurde Gabrielle zu ihrer Tante geschickt und von dort in ein Konvent für adelige Damen.

Am 07.07.1767 heiratete Gabrielle im Alter von 18 Jahren Armand Jules Francois, Comte (später Duc) de Polignac (07.06.1745-21.09.1817), den Kapitän des Königlichen Dragonerregiments.

Mithilfe ihrer Schwägerin Diane de Polignac (1746-1818), die zum Gefolge der Comtesse de Provence gehörte (seit 1778 dann Ehrendame der Madame Elisabeth), bekam Gabrielle Zutritt zum Königshof. 1775 wurde sie offiziell eingeführt und traf erstmals auf die junge Königin.
Marie Antoinette - die die ewigen Ohnmachtsanfälle ihrer sensiblen Freundin Lamballe längst nicht mehr ertragen konnte - war sofort von der bezaubernden, temperamentvollen Gabrielle de Polignac begeistert. Die beiden wurden umgehend Freundinnen.

Von da an stieg die Familie Polignac rasant in der Gunst der Königin, was viele Neider - sowohl bei Hofe, als auch im Volke - auf den Plan rief.
So schuf Gabrielle für ihre Familie große Vorteile und genoss ein Leben im Luxus, das Königspaar beglich z.B. sämtliche Schulden der Polignacs und beschenkte Aglaé, Gabrielles Tochter, 1779 mit einem Geldbetrag in Höhe von 800.000 Livres.
Es ist unwahrscheinlich, dass Gabrielle die Freundschaft zur Königin aus bloßer Habgier aufrecht erhielt. Mag sein, dass der eine oder andere Verwandte die Bindung zur Königin ausnutzte, doch Gabrielle selbst kann man durchaus eine ehrliche und innige Zuneigung für Marie Antoinette unterstellen.
Dass Mme de Polignac der Königin gut tat, bemerkte auch der König und schloss Gabrielle daher ebenfalls ins Herz.

Mme de Polignac (1787, Elisabeth Vigée-Lebrun) Mme de Polignac (1787, Elisabeth Vigée-Lebrun)

Die schöne und charismatische Gabrielle de Polignac zog schließlich auch den Comte d'Artois, den jüngsten Bruder des Königs, in ihren Bann und wurde zur Anführerin des intimen Kreises um die Königin.
Den Höhepunkt ihres Einflusses auf Marie Antoinette erreichte Gabrielle im Jahre 1780, als ihr Ehemann in den Herzogstand erhoben wurde. Gabrielle war von nun an eine Duchesse !
Zudem verdrängte sie 1782 die Princesse de Guéménée und übernahm deren Rolle als Gouvernante der Königskinder.

Im Palast von Versailles war Gabrielle die Herrin über ein 13-Zimmer-Appartement und besaß zudem ein extra für sie eingerichtetes Häuschen im Hameau, Marie Antoinettes privatem Dorf.

Die Ehe von Gabrielles und Jules de Polignac war eine typische, unter Aristokraten arrangierte Ehe.
Jahrelang war Gabrielle leidenschaftlich in den 
Comte de Vaudreuil verliebt, auch, wenn viele ihrer Freunde Vaudreuil für tyrannisch hielten.
Die Gerüchteküche brodelte jedenfalls und es hieß, dass Gabrielles jüngster Sohn Camille (* 1781) nicht den Duc de Polignac als leiblichen Vater hatte, sondern Vaudreuil.
Historiker konnten jedoch bis heute keine Hinweise auf eine tatsächliche sexuelle Beziehung zwischen Gabrielle und Vaudreuil finden.

Die Polignacs gehörten also wegen der innigen Freundschaft Gabrielles zu Marie Antoinette zu den einflussreichsten Familien bei Hofe, doch verschlang ihr Unterhalt Unsummen. Ihr Verhalten bei Hofe wurde übermütig, gar anmaßend, was Marie Antoinette nicht verborgen blieb.
Die Königin zog sich daher nach der Geburt ihres zweiten Sohnes, Louis Charles, im Jahre 1785 mehr und mehr von Mme de Polignac und deren Clan zurück.
Gabrielle wurde zudem die Stellung der Ersten Kammerfrau der Königin entzogen. Die Königin übertrug diese Stellung nunmehr einer anderen Vertrauten - Madame Henriette Campan.

Gabrielle hatte sicher die sinkende Gunst bemerkt. Sie verließ für einige Zeit den Hof und besuchte Freunde in England, u.a. die Duchess of Devonshire, eine ihrer engsten Vertrauten.
Nach ihrer Rückkehr an den Versailler Hof erlangte sie auch die Freundschaft zu Marie Antoinette zurück und engagierte sich bei Hofe stärker denn je in der Politik, auf Seiten der Ultraroyalisten.
U.a. befürwortete sie zusammen mit dem Comte d'Artois und dem Baron de Betreuil die Absetzung des Finanzministers Jacques Necker.
Inwieweit sie hier Marie Antoinette beeinflussen konnte, den König in diese Richtung umzustimmen, ist ungewiss.
Mag sein, dass Marie Antoinette gern politische Einmischung vorgeworfen wird, doch ist bekannt, dass der König seine Gattin grundsätzlich aus aller Politik heraushielt.

Bei Ausbruch der Französischen Revolution verließen die Polignacs umgehend das Land in Richtung Schweiz.
Man wirft Mme de Polignac zwar immer vor, sie habe beim ersten Zeichen von Tumulten die Flucht ergriffen und die königliche Freundin im Stich gelassen. Doch war es das Königspaar selbst, welches Gabrielle ausdrücklich aufforderte, zu fliehen, da ihr Leben in Gefahr sei. König Louis XVI. und Königin Marie Antoinette befürchteten, dass sich Gabrielle wegen ihres schlechten Rufs im Volk in großer Gefahr befände und baten sie daher, sich in Sicherheit zu begeben.
Nichtsdestotrotz zögerte Gabrielle nicht und ließ Marie Antoinette in dieser schlimmen Zeit zurück - während die Princesse de Lamballe später aus dem sicheren Exil an die Seite der Königin zurückkehrte und damit ihr Leben riskierte...
Und so verließ Gabrielle de Polignac Versailles am 16.07.1789 mit einem Geldgeschenk der Königin von 500 Louis d'Or.
Anstelle von Gabrielle kümmerte sich nun die Marquise de Tourzel um die Erziehung der Königskinder.

Das Leben der Polignacs war von nun an von diversen Reisen durch Europa bestimmt. Während dieser Reisen blieb Gabrielle mit Marie Antoinette stets in Briefkontakt.
1790 hielt sich Gabrielle in Venedig auf. Dort war sie zu Gast bei der Hochzeit ihres ältesten Sohnes Armand de Polignac.
Im Juli 1791 musste sie nach Wien fliehen. Gabrielle war inzwischen dermaßen mitgenommen, dass sie an nichts mehr Gefallen fand, nicht mehr aufhören konnte, zu weinen und zu klagen und regelrecht zugrunde ging.

Während ihres Aufenthalts in der Schweiz erkrankte Mme de Polignac an Krebs, nachdem sie sich bereits seit etlichen Jahren in einem schlechten Gesundheitszustand befand.

Mme de Polignac (1789/1793, Elisabeth Vigée-Lebrun) Mme de Polignac (1793, Elisabeth Vigée-Lebrun)

Psychisch gesehen, schaffte sie es, sich kurzzeitig wieder aufzurichten, doch als sie Ende Oktober 1793 in Wien von der Hinrichtung ihrer königlichen Freundin am 16. Oktober erfuhr, brach sie entgültig zusammen.
In Schmerz und Trauer erlag Gabrielle nur zwei Monate später, am 09.12.1793, ihrem Krebsleiden.
Bestattet wurde die Duchesse de Polignac in Wien.
Auf ihrem Grabstein steht ihr Name und der Zusatz:
"Morte de douleur le 9 décembre 1793"
(dt.: "Am Kummer gestorben, am 9. Dezember 1793").
 



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