
Rose Bertin
~ die "Modeministerin" der Königin ~
(02.07.1747 - 22.09.1813)


"Es gibt nichts Neues, mit Ausnahme dessen, was vergessen worden ist."
(Rose Bertin)
Rose Bertin war die wohl berühmteste Modistin/Modehändlerin ihrer Zeit und wird auch heute noch gern in Verbindung mit der Geschichte der Modeschöpfung gebracht.
Als Modistin schneiderte sie nicht, sondern verzierte Kleider entsprechend der aktuellsten Mode, fertigte Hüte und Haargestecke an und arbeitete am Versailler Hof eng mit Friseur Léonard zusammen, in dem sie dessen Haarkreationen ausschmückte.

Rose Bertin war die Coco Chanel des 18. Jahrhunderts und erlangte mithilfe von Königin Marie Antoinette - ihrer Gönnerin und Stammkundin - eine europaweite Bekanntschaft und Kundschaft.
Als Marie-Jeanne Bertin kam sie am 02.07.1747 in Abbeville zur Welt. Ihr Vater war Oberst der Polizeiwache.
Mit 16 Jahren ging Marie-Jeanne nach Paris in die Lehre der Modistin Mme Pagelle in der Boutique "Trait galant".
Eines Tages lieferte Marie-Jeanne, die sich inzwischen "Rose Bertin" nannte, bei der verwitweten Princesse de Conti einige Roben ab. Die Prinzessin bot ihr bei dieser Gelegenheit an, eine eigene Boutique mit 30 Arbeitern in Paris zu eröffnen - in der Rue Saint Honoré - und es "Le Grand Mogol" zu nennen. Die Princesse wusste, Rose hatte Geschmack und vor allem Ehrgeiz.
Und so eröffnete Rose also "Le Grand Mogol". Nachdem Rose 1769 die Brautausstattung für die Hochzeit der Duchesse de Chartres (mit dem zukünftigen Philippe Égalité) kreierte, stieg die Kundschaft der jungen Modistin rapide an und ihre Bekanntheit wuchs immens. Sie wurde die Hauptmodistin der Duchesse de Chartres und deren Schwägerin, die Princesse de Lamballe, konnte sie ebenfalls bald zu ihrer Kundschaft zählen.

Über die Princesse de Lamballe und die Duchesse de Chartres lernte Rose 1774 schließlich die junge Königin Marie Antoinette kennen, als sich diese gerade in Marly aufhielt.
Marie Antoinette, die in der Art ihrer Kleiderwahl zunächst recht unbeholfen war, fand in Mademoiselle Bertin eine wunderbare Ratgeberin, die sie stets begeisterte. Sie schloss Rose sofort ins Herz und beglückte diese mit einer unerwarteten Vertrautheit. Die Königin gestattete Rose zudem wöchtentlich zwei Audienzen, die während der Regierungszeit Marie Antoinettes beibehalten wurden, was für ein ungeheures Ansehen der Modistin sorgte.
Wegen der Häufigkeit der Mode-Audienzen, bekam Mlle Bertin den Beinamen "Ministre de la Mode" (Modeministerin). Dieses erfundene "Ministerium" hatte auf ganz Europa und Russland Einfluss in der Mode.
Königin Marie Antoinette erwarb stets die neuesten Kreationen der Modistin. Oft hielt sich Bertin stundenlang bei Marie Antoinette auf, plauderte mit ihr über diverse Dinge und schwärmte von der neuesten Mode.
Die ausgedehnten Aufenthalte in Trianon und das dortige Leben ohne strenge Etikette, ermöglichten es Bertin, ihr Können unter Beweis zu stellen und Marie Antoinette jeden Modewunsch zu erfüllen. In diesen Wochen, in denen sie die Königin "beherrschte", verbrachte sie die Vormittage stets in der Nähe der königlichen Kundin und mimte die Hofdame.

Dieser ungezwungene Umgang einer Königin mit einer Bürgerlichen und die Tatsache, dass Mlle Bertin über diese Audienzen von der "gemeinsamen Arbeit mit der Königin" sprach - so als würde es sich hierbei um wichtige Staatsangelegenheiten handeln - warfen sowohl von Seiten des Volkes, aber auch des Hofes, ein schlechtes Licht auf Marie Antoinette.
Durch die Memoiren der Mme Campan wissen wir, dass die langjährige Bevorzugung der Mlle Bertin für große Eifersucht in der Umgebung der Königin sorgte. Man rebellierte vergeblich, denn Mlle Bertin besaß Marie Antoinettes vollstes Vertrauen.
Die Damen bei Hofe nahmen Bertins Stellung bald sehr ernst, doch wurde der Druck auf die Kundinnen immer größer, da Bertins Leistungen sehr teuer waren und die Kunden zu immer höheren Ausgaben zwangen, als Einkünfte da waren.
Selbst für Marie Antoinette wurden die Kosten allmählich zu hoch, doch klagte Mlle Bertin in einem solchen Fall erfolgreich über ihren bevorstehenden Bankrott, um die königliche Kundin zu animieren, Bertins Werke weiter zu honorieren.
Rose Bertin konnte es sich inzwischen leisten, schwindelerregend hohe Preise für ihr Schaffen zu verlangen. Sie war immerhin nicht nur die Modistin der französischen Königin und konnte eine beeindruckend große Kundschaft in ganz Frankreich vorweisen, sie genoss obendrein das Vertrauen diverser europäischer Königshäuser.
Sie lehnte es zudem ab, das Bürgertum zu bedienen und reservierte die neuesten Kreationen stets für Königin Marie Antoinette.

Nach Ausbruch der Französischen Revolution verlor Mlle Bertin zahlreiche ihrer Kundinnen durch die Guillotine.
Sie selbst floh aus Frankreich und emigrierte nach London, wo sie ihre Arbeit fortsetzte. In Frankreich war ihr Leben wegen der Freundschaft zur Königin zu sehr in Gefahr.
Im Ausland schaffte es Bertin, ihre alten (noch lebenden) Kunden unter den Emigranten wieder auf sich aufmerksam zu machen und so gelang es ihr für einige Zeit, auch wieder in Europa Fuß zu fassen.
Bertins Neffe half ihr währenddessen, den eigenen Besitz während der Revolution zu retten.
Nach Ende der Terrorherrschaft kehrte Rose 1795 nach Frankreich zurück und begann, sich wieder einen neuen Kundenstamm aufzubauen. U.a. zählte Joséphine de Beauharnais (1763-1814), die spätere Kaiserin, kurzfristig zu ihrer Kundschaft.
Dennoch gelang es Bertin nicht, an die alten Erfolge anzuknüpfen, da ihre Kunst längst nicht mehr der aktuellen dezenten Mode entsprach.
Anfang des 19. Jahrhunderts gab Mlle Bertin ihr Geschäft an den Neffen ab und setzte sich zur Ruhe.
Am 22.09.1813 starb Rose Bertin in ihrem Haus in Epinay-sur-Seine.

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