
Louis XVII.
~ Hochstapler ~

Bis zur Vorlage des DNA-Nachweises rankten sich die wildesten Gerüchte um den Verbleib des Königssohnes und riefen diverse Hochstapler auf den Plan, die sich als "wahrer" Louis XVII. ausgaben.
Ich möchte hier nun auf einige dieser Hochstapler eingehen:
Jean-Marie Hervagault
Jean-Marie Hervagault wurde als Sohn eines Schneiders in Saint-Lô (Manche) geboren.
Er galt stets als bescheiden, doch war er ein Verwandlungskünstler. Sich eine neue Identität anzueignen, war für ihn kein Problem.
Im Laufe seines Lebens gab er sich bereits als Sohn des Prinzen von Monaco aus, aber auch als Herzog von Madrid und nicht zuletzt als Sohn der Königin Marie Antoinette.
Als diesen gab er sich im Jahr 1801 aus. Sein Triumpf währte aber nicht lange, am 16. September 1801 verhaftete man den Hochstapler und sperrte ihn ein.
1806 gelang ihm die Flucht. Von da an irrte Hervagault als Landstreicher, verfolgt von der Polizei, durch Frankreich.
Schließlich wurde er wieder verhaftet und starb am 08.05.1812 im Gefängnis in Val-de-Marne.

Mathurin Bruneau
Bruneau kam 1784 in Vézins in Anjou als Sohn eines Holzschuhmachers zur Welt.
1802 lässt er sich im Château d'Angrie von einem Monsieur de Turpin wie ein Prinz beherbergen. Monsieur de Turpin, heißt es, vermutete in Bruneau den wahren Dauphin.
Einige Monate später deckten Nachbarn des Burgherren den Schwindel auf. Bruneau flieht nach New York und Baltimore. Erst 1815 kehrte er aus Amerika nach Frankreich zurück und forderte alsbald von seinem "Onkel" Louis XVIII. den Thron. Louis XVIII. verweigerte dies dem Hochstapler natürlich und so wendete sich Bruneau an die Herzogin von Angoulême (ehemals Madame Royale), die Schwester von Louis-Charles, für den er sich ausgab. Die Herzogin übersandte - um ihn zu testen - Bruneau eine Liste mit Fragen, deren Antworten nur sie und ihr wahrer Bruder wussten.
Bruneau versagte bei diesem Test und wurde eingesperrt. Während seiner 5-jährigen Haftstrafe in Mont St. Michel, verstarb Bruneau im Jahre 1825.

Claude Perrin
Perrin wurde auch "das Chamäleon" genannt.
Man weiß nicht wie er es schaffte, aber in Arles erschien er erstmals mit einem Pass, der auf den Namen "Louis Charles de Bourbon" ausgestellt war.
1820 wurde er im Fürstentum Modena verhaftet und ohne Prozess im Gefängnis Santa-Marguerita inhaftiert.
Nachdem er entlassen wurde, führte er seine Spielchen fort. Er tauchte hier als Baron Augustin Pictot auf, dort als Colonel Gustave, bekannt wurde er auch unter dem Namen "Henri Hébert" und schließlich gab er sich als Comte de Richemont, Duc de Normandie, aus. Als Comte de Richemont forderte er seit 1828 seine angeblichen Rechte zurück.
Als Louis-Philippe I. zum Bürgerkönig gewählt wurde, wies Perrin erneut auf seine "wahre" Identität hin und wurde 1833 in Sainte-Pélagie abermals inhaftiert.
Angeklagt wurde er u.a. wegen Verschwörung gegen das Leben des Königs und gegen die Sicherheit des Staates, was ihm 12 Jahre Gefängnis einbrachten.
Nachdem ihm jedoch die Flucht gelang, irrte er von Schloss zu Schloss, gab sich als Duc de Normandie aus und nutzte damit gutgläubige Schlossherren aus. Seine Spur verlor sich 1853 bei der Comtesse d'Apcher, bei der er sich zuletzt niedergelassen hatte.

Karl Wilhelm Naundorff
Der hartnäckichste und glaubwürdigste aller Hochstapler war wohl der Deutsche Karl Wilhelm Naundorff.
Zur gleichen Zeit wie Henri Hébert bzw. Claude Perrin, trat ein gewisser Morel de Saint-Didier auf, der im Namen des "wahren, echten Louis XVII." vor König Louis XVIII. gegen die Anmaßungen Héberts protestierte. Dieser angeblich "echte Louis" war der Deutsche, Karl Wilhelm Naundorff.
Naundorff war ein Uhrmacher und Vater einer großen Familie in Spandau, später lebte er in Brandenburg.
Schon längst gab er sich für den Herzog von der Normandie aus, erzählte seine romantische Flucht aus dem Temple und wandte sich an die Regierung und an die Herzogin von Angouleme - die Schwester Louis' XVII.
Nach der Julirevolution ging er mit seiner Familie nach Frankreich, wo er wegen seines bourbonischen Gesichts und der Ähnlichkeit seiner Tochter mit Marie Antoinette viele Anhänger fand. Nachdem das Kindermädchen von Louis-Charles in ihm den Königssohn erkannt haben wollte, wandte sich Naundorff an die Pariser Kammern. Er wollte auf die Krone zu Gunsten der Dynastie Orléans verzichten, jedoch unter der Bedingung, dass man ihn standesgemäß unterhielte.
Im Februar 1836 wurde er in Paris vor Gericht als Betrüger angeklagt. Das Gericht sah in ihm aber keinen Betrüger, sondern lediglich einen Verblendeten und sprach ihn von der Anklage frei. Doch wurde er aus Frankreich ausgewiesen.
Seitdem lebte er mit seiner Familie in einfachen Verhältnissen mal in Belgien, mal in England und letztendlich in den Niederlanden, wo er am 10. August 1845 in Delft verstarb.
Mit Erlaubnis der Holländischen Regierung, die ihn damals offiziell als Frankreichs Thronerben anerkannte, befindet sich heute noch auf Naundorffs Grabstein die Inschrift "Hier ruht Louis de Bourbon, Herzog der Normandie".
Sein Sohn, Offizier in der niederländ. Armee, veranlasste 1851 und 1873 einen Prozess gegen den Grafen von Chambord - den Bourbonen-Erben. Vertreten wurde er von Jules Favre. Die Ansprüche wurden jedoch beide Male zurückgewiesen.
Naundorffs Sohn starb im November 1883.
1893 bildete sich in Paris ein Komitee zum Zweck, die Identität Naundorffs mit dem Dauphin nachzuweisen. Dieses Komitee zweifelte übrigens weiterhin die Richtigkeit des DNA-Ergebnisses um das Herz Louis' XVII. an.
Im Jahre 1993 belegte eine DNA-Test jedoch, dass Naundorff keinesfalls mit Marie Antoinette verwandt war.

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