1-05 Hochzeit

Madame Royale
Hochzeit & Flucht



Am 4. Mai 1799 verließ Madame Royale schließlich den Wiener Kaiserhof und reiste gen Mitau zu ihrem Onkel. Der Reiseweg beinhielt diverse Stopps, u.a. am 5. Mai in Brünn, am 10. Mai in Krakau sowie am 17. Mai in Rherespol. Die Reisebegleitung bestand diesmal aus Henriette de Choisy, Monsieur und Madame Huë, Monsieur Cléry sowie drei Kammerfrauen und zwei Diener.
Am 3. Juni konnte die Prinzessin in Mitau endlich ihren Onkel in die Arme schließen.

Bereits am 10. Juni 1799 heiratete Marie Thérèse ihren Cousin Louis Antoine de Bourbon, den Duc d'Angoulême (1775-1844) - ein Triumph für ihren Onkel Louis XVIII. Die Trauung wurde von Kardinal Montmorency-Laval vollzogen.
Der Duc d'Angoulême war der Sohn des Comte d'Artois, der ebenfalls ein Bruder von Marie Thérèses Vater Louis XVI. war.

Marie Thérèses Ehemann Louis-Antoine de Bourbon, Duc d´Angoulême

Die Hochzeit fand im lettischen Mitau (Jelgava) statt, wo die Königliche Familie im Exil lebte. Marie Thérèse legte mit der Hochzeit ihren Titel "Madame Royale" ab und war fortan die Duchesse d'Angoulême.

Madame Royale, 1795 (Grevedon) Duchesse d´Angoulême, 1804 

Wegen Napoléons Eroberungszug durch ganz Europa, lebten Louis XVIII., Marie Thérèse und ihr Gemahl stets auf gepackten Koffern und in ständiger Flucht.
Auf Befehl des Zaren Paul I. vom 20. Januar 1801 musste die Familie vorübergehend Russland verlassen. Die Abreise erfolgte am 22. Januar in Richtung Memel. Dort am 27. Januar angekommen, bat die Herzogin das preußische Königspaar Friedrich Wilhelm III. schriftlich um Asyl.
Zunächst reiste die Herzogin mit ihrem Onkel allein weiter nach Königsberg, das sie am 24. Februar erreichten. Hier erhielten sie von Preußen die Erlaubnis, in Warschau zu wohnen.
Am 6. März kamen die beiden - inkognito als Comte de Lille und Marquise de la Meilleraye - in Warschau an und bezogen im Haus Wasilewski Quartier; später wohnten sie im Schloss Lazienki und im Palais Zamoyski.
Marie Thérèses Ehemann stieß Ende März dazu.

Am 26. Februar 1803 unterbreitete Napoléon Louis XVIII. durch einen Boten ein Friedensangebot, dessen Gegenbedingung der Verzicht Louis' auf seinen französischen Thronanspruch war.
Louis XVIII. und sein Sohn lehnten jedoch ab.
Im Gegenteil, Louis ging sogar gegen Napoléons Selbsternennung zum Kaiser der Franzosen vor und veröffentlichte am 4. Oktober 1804 in Kalmar/Schweden ein Manifest.

Aufgrund dieses politischen Aktes verlor die Bourbonen-Familie jedoch ihr Asyl in Warschau, da Louis XVIII. gegen die Aufenthaltsbestimmung verstieß, sich nicht politisch zu betätigen.
Stattdessen bot ihnen Zar Paul I. von Russland an, wieder nach Mitau zurück zu kehren. Die Bourbonen nahmen das freundliche Angebot an und reisten im November 1804 aus Warschau ab.

Wieder zurück in Mitau, entgingen Louis XVIII. und die Herzogin von Angoulême am 7. April 1805 im Schloss zu Mitau einem Brandanschlag. Man vermutete eine Attentat, da das Feuer gleichzeitig an drei Stellen entfacht wurde.

Im November 1807 reisten Louis XVIII. und Marie Thérèses Ehemann nach England, um dort um politisches Asyl zu bitten.
Die Herzogin selbst folgte ihnen im Juli 1808. Man bewohnte seitdem das Schloss Gosfield Hall in der Grafschaft Essex.
Im April 1809 bezog die Familie schließlich das Schloss Hartwell House, nahe London.


 


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