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Madame Royale
Übergabe an Österreich



Im Oktober 1795 begannen die Verhandlungen zum Austausch der Madame Royale sowie von 12 österreichischen Kriegsgefangenen. Österreich sollte hingegen französische Kriegsgefangene freilassen.
Auf französischer Seite verhandelten Monsieur Benezech, der frz. Innenminister, und Monsieur Bacher, der Sekretär der frz. Botschaft in Basel; auf österreichischer Seite verhandelte Baron von Degelmann und Thugut, der Ratgeber des Kaisers.

Ebenso wurde über die Personen diskutiert, die Madame Royale nach Wien begleiten sollten. Österreich schlug die Marquise de Tourzel sowie Ernestine Lambriquet, die Adoptivschwester der Prinzessin, vor.
Monsieur Bacher hingegen schlug Madame de Soucy oder deren Mutter, Madame de Mackau, vor.
Am 27. November wurd Madame de Tourzel vom Direktorium als Begleitperson ausgeschlossen und stattdessen Madame de Soucy als Begleiterin bestimmt.

Am 18. Dezember 1795 war Marie Thérèse endlich frei und durfte den Temple verlassen.
Alles verlief in absoluter Geheimhaltung, da das Kaiserhaus eine Entführung der Madame Royale durch die Anhänger Louis' XVIII. befürchtete. Daher reiste die Prinzessin mit ihrem Gefolge unter falschen Namen um 17 Uhr des 18. Dezember heimlich in Richtung Wien ab. Madame Royale trug während der Reise den Decknamen Sophie.
Im Austausch ließ das Kaiserhaus zwölf französische Kriegsgefangene frei.
Vor der Schweizer Grenze übernachtete die Prinzessin mit ihrem Gefolge am Heiligabend 1795 vorerst ein letztes Mal auf französischem Boden, im Hotel "Au Corbeau" in Hüningen (Huningue).

Marie Thérèses Abreise aus Paris, 19.12.1795 

Vom Quartier in Hüningen aus ging die Reise am Abend des 26.12.1795 gegen 18 Uhr weiter in Richtung Basel.

Die Verfechter der Vertauschungstheorie sind der Ansicht, dass es hier zu einem Austausch der Prinzessin durch eine Ersatzperson gekommen sei.
Da ich von dieser Theorie rein gar nichts halte, belasse ich es dabei, dass am 26.12.1795 die echte Madame Royale die Weiterreise über die Schweiz nach Österreich antrat...

In Madame Royales Begleitung befanden sich zu diesem Zeitpunkt die Madame de Soucy, Monsieur Huë, der Offizier Mechain sowie Monsieur Bacher.
Bacher übergab die Prinzessin schließlich gegen 19 Uhr in der Villa Reber in Basel an die österreichische Delegation: den Prinz von Gavre und den Baron von Degelmann und Thugut.

Übergabe der Madame Royale an Österreich 

Noch am selben Abend fuhr die Prinzessin mit ihren Begleitern von Basel weiter nach Wien.
Während der Reise kam es zu Stopps in Laufenburg (27.12.1795) und Überlingen. Am 30.12.1795 in Füssen angekommen, traf sie auf ihren Großonkel, Clemenz von Sachsen (1739-1812, Onkel von Louis XVI. mütterlicherseits), dem sie einen Brief an Louis XVIII. überreichte. Ebenso gelang es einem Offizier des Prince de Condé, Monsieur de Berthier, dort mit Madame Royale zu sprechen.
Zur Jahreswende 1795/1796 stoppte die Reisegesellschaft in Innsbruck, wo die Prinzessin zwei Tage verweilte und ihre Tante, die
 Äbtissin Maria Elisabeth, Erzherzogin von Österreich und Schwester von Marie Antoinette, besuchte. Diese soll später das Gerücht verbreitet haben, ihre Nichte sei bereit, den Erzherzog Franz Karl, Sohn des Kaisers, zu ehelichen.

Ferner gelang es weiteren krontreuen Ehrenmännern, u.a. am 06.01.1796 in Wels Monsieur Clery, dem treuen Diener ihres Vaters, Madame Royale kurz zu sprechen. So gelang es der Prinzessin erneut, ein paar Mal den fernen Onkel Louis XVIII. brieflich zu erreichen.

Am Abend des 9. Januar 1796 kam Madame Royale endlich am Wiener Hof an. Die Begrüßung verlief kühl, vor allem von Seiten der Prinzessin. Zwar musste sie dem Kaiser dankbar für ihre Befreiung sein. Doch hatte sie nicht vergessen, dass dieser keine Hilfe zur Rettung ihrer Eltern sandte.
Auch stellte Madame Royale umgehend klar, dass sie keinen österreichischen Erzherzog heiraten werde. Schnell wurde deutlich, dass sie eine Heirat mit ihrem Cousin bevorzugte.
Der Papst Pius VI. gab am 3. Februar 1796 seine Zustimmung zu dieser Heirat.

Marie Thérèse wird nach ihrer Ankunft in Wien von Kaiser Franz II. empfangen

Während ihres Aufenthalts in Wien war es Franzosen verboten, am österreichischen Kaiserhof Kontakt mit Madame Royale aufzunehmen, immerhin befand sich Österreich mit Frankreich im Krieg. Während der ersten Monate (bis März 1796) wurde die Prinzessin zudem wegen der noch andauernden Trauerperiode gegen die Öffentlichkeit abgeschirmt.
Dennoch wurde sie bei Kaiser Franz II. zur Bittstellerin für viele emigrierte Franzosen. Dies und die Tatsache, dass Marie Thérèse wegen ihrer Weigerung heiratspolitisch uninteressant wurde, ließ die Prinzessin am Kaiserhof vereinsamen.

Bereits am 2. Februar 1796 fand ein Treffen mit der Prinzessin von Lothringen statt und auch wenige weitere Vertrauenspersonen wurden zu Madame Royale vorgelassen, so auch der Graf von Fersen, der der französischen Königsfamilie treu ergeben war und die Flucht vom 20.06.1791 organisiert hatte.
Dem Grafen begegnete die Prinzessin schon am 19.02.1796 beim Verlassen der Kapelle der Hofburg. Doch kam es hierbei noch nicht zu einem Gespräch.
Erst beim ersten offiziellen Auftritt der Prinzessin am Wiener Hof am 06.03.1796 begegneten sich die beiden wieder. Ein weiteres Treffen fand am 27.03.1796 statt.

Im April 1797 standen die Napoleonischen Truppen vor Wien und der Kaiserhof musste sich in Sicherheit bringen. Marie-Thérèse und die kaiserlichen Kinder wurden nach Prag zur dortigen Äbtissin, Erzherzogin Maria Anna von Österreich, geschickt.
Die Rückkehr nach Wien war erst im Juni 1797 möglich; Madame Royale bewohnte anschließend das Schloss Belvedere. Freundinnen fand Madame Royale in dieser Zeit in Maria-Wilhelmine Ferraris, der Gräfin Maria-Franziska Romana und Henriette de Choisy.
Hier empfing die Prinzessin im November 1797 ihren Verwandten, den Duc d'Enghien, Sohn des Prince de Condé, der sich auf der Durchreise nach Russland befand.

Nachdem sich sowohl Louis XVIII., als auch der russische Zar Paul I. für die Entlassung der Madame Royale aus der Obhut des Kaiserhauses einsetzten und obendrein im österreichischen Volk immer wieder Gerüchte aufkochten, die bourbonische Prinzessin würde den Erzherzog Franz Karl heiraten, beschloss Madame Royale, diesen Gerüchten entgültig Einhalt zu gebieten: sie unterschrieb eine formelle Erklärung, nach der sie in die Verlobung mit ihrem Cousin, dem Duc d'Angoulême, einwilligte.

Kaiser Franz gab nunmehr sein Einverständnis zur Abreise der Cousine und Louis XVIII. war es endlich möglich, am 11.09.1798 die bevorstehende Hochzeit seines Neffen und seiner Nichte zu veröffentlichen.



 


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