
Madame Royale
Ihre Jugend während der
Französischen Revolution
Die Erstürmung der Bastille am 14.07.1789 läutete eine neue Zeit ein, die für die Königliche Familie mit Angst, Überwachung und Lebensgefahr einherging.
Noch vor dem Ausbruch der Französischen Revolution verstarb am 04.06.1789 der Dauphin Louis Joseph. Nun war Madame Royales jüngster Bruder der neue Thronfolger Frankreichs.
Da Madame de Polignac, die Gouvernante der Königskinder, wegen der Unruhen in Paris das Land verließ, wurde die Marquise de Tourzel die neue Erzieherin von Marie Thérèse und Louis Charles.
Immer dabei war deren Tochter Pauline de Tourzel, die als Spielkameradin fungierte.
Am 06.10.1789 wurde die Königliche Familie gezwungen, Versailles zu verlassen und in einem demütigenden Zug aus Menschenmassen den Weg nach Paris anzutreten. Von nun an wohnte die Königsfamilie im Pariser Stadtschloss - den Tuilerien - inmitten ihres Volkes.
In der der nahegelegenen (gegenüber dem Louvre) königlichen Pfarrkirche Saint-Germain-l'Auxerrois fand am 07.04.1790 die Erstkommunion von Marie Thérèse statt. Seit dem Umzug von Versailles nach Paris diente diese Kirche nunmehr als Königliche Kirche.
Im Juni 1791 startete die Königsfamilie einen heimlichen Fluchtversuch aus Frankreich. Man reiste unter Decknamen, mit gefälschten Pässen. Doch in St. Menehould (bei Varennes) endete die tragische Flucht - der König wurde erkannt !
Unter schlimmsten Demütigungen reiste die Familie wieder zurück nach Paris in die Tuilerien und unterlagen dort strengster Bewachung.
Nachdem am 10.08.1792 die Tuilerien gestürmt wurden, flüchtete die Königsfamilie vor dem wütenden Pöbel in die Nationalversammlung. Unter dem Druck der Revolutionstruppen schaffte die Nationalversammlung nun die Monarchie ab. Der König war entmachtet und wurde von nun an als gewöhnlicher Bürger bezeichnet.
Man überführte die Königliche Familie am 13. August gegen 19 Uhr in den Temple, der damit als Gefängnis fungierte. Die Familie versuchte hier, so gut es ging familiär zu leben. Marie Thérèse wurde von ihrer Mutter und der Tante, Madame Elisabeth, in Musik unterrichtet, während ihr Bruder vom Vater Unterweisungen in Latein, Geschichte und Geografie erhielt.
Am 28.09.1792 wurde der König im Temple von seiner Familie getrennt. Man durfte sich - unter den wachsamen Augen der Wärter - zwar noch sehen, doch war der König fortan im zweiten Stock, die restliche Familie im dritten Stock des Temple untergebracht.
Schon im Dezember desselben Jahres wurde der König wegen Hochverrats angeklagt. Während des Prozesses trennte man ihn komplett von seiner Familie, um Absprachen und Verschwörungen zu verhindern.
Als man den König am Abend des 20.01.1793 wieder zu seiner Familie vorließ, war es ein entgültiger Abschiedsbesuch - Marie Thérèses Vater wurde soeben zum Tode verurteilt. Nur eine Stunde (von 21 Uhr bis 22:15 Uhr) hatte die Familie Zeit, sich vom geliebten Familienvater zu verabschieden (» Die letzten Stunden des Königs). Tags darauf, am Morgen des 21.01.1793, starb König Louis XVI. unter der Guillotine (» Die Hinrichtung des Königs).
Nach dem Tod des Königs galt nun Marie Thérèses kleiner Bruder Louis Charles als Louis XVII. als König von Frankreich.
Es heißt, bereits im April 1793 habe die französische Regierung dem österreichischen Kaiserhaus das Angebot unterbreitet, Madame Royale freizulassen. Mit Sicherheit war dieser Vorschlag an Bedingungen geknüpft (die mir leider nicht bekannt sind). Offenbar waren diese für den Kaiser jedoch nicht tragbar - er lehnte ab...
Am späten Abend des 3. Juli 1793 trennte man plötzlich den kleinen König von seiner Familie. Louis XVII. hielt man von nun an in Einzelhaft im 2. Stock des Temples fest - zu groß war die Gefahr einer Befreiungsaktion.
Doch damit nicht genug, im August verlor Marie Thérèse auch ihre Mutter: Marie Antoinette wurde am 2. August in die Conciergerie überführt - ihr Prozess stand nun bevor.
Am Mittag de 8. Oktober 1793 wurde Madame Royale durch Konventsmitglieder drei lange Stunden verhört. Ihre Tante Madame Elisabeth wurde eine Stunde lang verhört.
Sechs Tage darauf, am 14.10.1793, begann schließlich der Prozess gegen die einstige Königin von Frankreich. Bereits zwei Tage später starb auch Marie Antoinette unter der Guillotine (» Die Hinrichtung der Königin).
Marie Thérèses letzte Vertraute war nun die ihre Tante, Madame Elisabeth, die so tapfer das Schicksal ihrer Familie teilte. Madame Elisabeth war die Schwester des Königs und in den letzten Jahren eine enge Vertraute der Königin geworden. Als alle Welt Frankreich verließ, blieb Elisabeth an der Seite ihrer Lieben.
Am 09.05.1794 wurde aber auch Elisabeth von Madame Royale getrennt. Elisabeth wurde am darauffolgenden Tag hingerichtet...
In ihrem Gefängnistagebuch erwähnte Madame Royale für den 23./24. Mai 1794, sie sei in dieser Nacht von einem Herren besucht worden, von dem sie annahm, es sei Maximilien Robespierre gewesen.
Tatsächlich soll Robespierre in dieser Zeit den Temple betreten haben. Diverse Gerüchte kursierten seitdem: zum einen soll er Madame Royale vergewaltigt haben; zum anderen habe er den kleinen Louis XVII. durch ein anderes Kind ausgetauscht.
Beweise gibt es dafür natürlich nicht.
Zwei Monate später besuchten die Messieurs Barras und Delmas am 28. Juli den Temple. Robespierre und dessen Anhänger waren am Tag zuvor gestürzt worden und nun schaute man im Temple nach den dortigen Verhältnissen. Offenbar gab es hierbei auch ein Gespräch zwischen Barras und Madame Royale.
Von den genauen Schicksalen ihrer Familienmitglieder war Marie Thérèse in ihrem Gefängnis lange nichts bekannt. Möglicherweise ahnte Madame Royale das Schlimmste... doch drangen keine Informationen über den Verbleib ihrer Mutter, ihrer Tante und des kleinen Bruders zu ihr hindurch. Und so erfuhr sie auch nichts von der unwürdigen Behandlung des kleinen Louis Charles und von dessen Tod am 8. Juni 1795...
Nach dem der Tod des kleinen Louis XVII., nannte sich der im Exil lebende Comte de Provence - Onkel der Madame Royale - fortan "Louis XVIII." und signalisierte damit seinen Anspruch auf den französischen Thron.
Von alledem bekam die Königstochter im Temple nichts mit.
Sie wurde äußerst rau behandelt. Es erfolgten keine Gespräche, wodurch ihre Sprache bald verkümmert sein soll. Ständig durchsuchte man ihr Zimmer und schüchterte das junge Mädchen ein. Diese Behandlung schlug sich stark auf die Psyche der Prinzessin nieder.
Da die Bevölkerung und ganz Europa keine Informationen über die königliche Gefangene erhielten, erhoben sich immer mehr Stimmen gegen die Inhaftierung. Sogar die Bevölkerung hatte genug: die bourbonische Prinzessin dürfe nicht bestraft werden für Dinge, die ihre Vorfahren zu verantworten hatten.
Doch kamen während dieser Zeit auch diverse Gerüchte über das Schicksal der Madame Royale auf. Das hartnäckigste Gerücht besagte, dass die Königstochter während ihrer Gefängniszeit vergewaltigt und geschwängert geworden sei. In diesem Falle wäre eine standesgemäße Verheiratung der Madame Royale nicht mehr tragbar...
Nachdem die Bitten um Freilassung von Seiten der Bevölkerung sowie von spanischer und österreichischer Seite immer lauter wurden, gab der Nationalkonvent im Juni 1795 endlich nach. Man beschloss, Madame Royale an ihre Verwandten, das österreichische Kaiserhaus, zu übergeben.

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